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Flirt mit Wowi

Unter dieser Schlagzeile bringt der Spiegel in seiner aktuellen Ausgabe vom 04.07.2011 eine Reportage über Rudolf Brazda, den wahrscheinlich letzten schwulen Überlebenden eines deutschen Konzentrationslagers, 98 Jahre alt, weißhaarig und sehr erfreut, wenn er von seinen damaligen Erlebnissen berichten kann.

So geschehen im Jahr 2008 anlässlich der Einweihung des Homosexuellen Denkmals im Tiergarten zusammen mit Berlins Bürgermeister Wowereit, mit dem er, so Breda, ein wenig “flirten durfte”. Als Zeitzeuge berichtete Breda über das Leiden der Insassen  im Konzentrationslager Buchenwald, zu denen er selbst gehörte und die dramatischen Umstände seines Überlebens als die Amerikaner Buchenwald 1945 befreiten. 

Als Rudolf Brazda 2008 zum ersten mal über sein eigenes Leben spricht, kommt dies für ihn einem zweiten Comingout gleich und so nimmt er anschließend zum ersten mal an einem CSD teil,  2009 ist  er zum Europride in Zürich eingeladen, selbst die Presse in Frankreich nimmt Notiz von seiner Lebensgeschichte wie ein hervorragender Artikel im französischen Magazin Tetu beweist ebenso wie eine kurze französisch/englische Dokumentation auf YouTube.

Hier die französische Fassung bei YouTube

Rudolf Brazda ist jetzt 98 Jahre alt, nur noch Haut und Knochen, zahnlos, schwerhörig und liegt in einem Krankenzimmer im Hopital Emile Muller in Mulhouse, seiner Heimat seit 1945.

Alexander Zinn, sein Biograf erzählt, was Brazda zuletzt gesagt hat:
“Jeder hat sein Leben, ich hatte meins, Hauptsache man ist glücklich.”
“Jetzt kann jeder machen, was er will” zur Situation von Homosexuellen heute, und: “Wie’s kommt, wird’s gefresse. Ich habe keine Angst!”

Wer soviel Angst im Leben gehabt haben muss, dem wünscht man dies, noch viele Tage und niemals mehr Angst.


Quelle:
  • Spiegel  27/2011
  • Alexander Zinn. Das Glück kommt immer zu mir. Campus Verlag. Frankfurt am Main, 24,90 Euro.

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