der Brief des Pfarrers nach dem Kirchenaustritt

Am Freitag wurden die Kirchenaustritte der evangelischen Kirche im Jahr 2014 bekannt:
270 000 - soviele Menschen sind noch nie ausgetreten. Am selben Tag landete auch der Brief vom Pfarrer, den man üblicherweise nach einem Kirchenaustritt bekommt, in meinem Briefkasten. 

Nun schreibe ich schon seit vielen Jahren diesen Blog und an der Reaktion evangelischer  Christen merke ich, dass er durchaus auch von Evangelen gelesen wird.
Nun hält es die Pfarrerin von Schorndorf-Weiler für nötig mir einen Fragebogen ins Haus zu schicken auf dem ich ankreuzen soll warum ich aus der Kirche ausgetreten bin. Dass ich nach Jahrzehnten von Diskriminierung und Schwulenhetze in der Kirchengemeinde Weiler Rems nicht mehr Mitglied sein möchte, hat sich bis ins Pfarramt noch nicht herumgesprochen.

Dieser Fragebogen lohnt eine genauere Analyse. Er besteht aus vielen frei ankreuzbaren Aussagen, leicht auszuwerten für jeden Kirchen Statistiker. Hier ein Auszug:

( ) Unstimmigkeit mit der Kirchenleitung
( ) Unstimmigkeit mit dem Gemeindepfarrer
( ) Unstimmigkeit mit der Art von Gottesdienst, Predigt oder Veranstaltungen
( ) Unstimmigkeit mit ...
( ) Schlechte Betreuung durch die Gemeinde
( ) Verärgerung aus aktuellem Anlass, und zwar ...
( ) Ich kenne den Gemeindebrief der Kirchengemeinde Weiler
u.s.w.

Unstimmigkeit ist ein Wort, das man auf eine Komposition oder ein Bild anwendet, sicherlich nicht auf einen Menschen und seine Beziehung zu einer religiösen Vereinigung. Ich möchte auch nicht "betreut" werden, ich bin weder alt noch gebrechlich oder vergesslich. Und verärgert bin ich auch nicht. Ich bin nur der Meinung, dass ich einer homophoben, pietistisch dominierten Kirche nicht angehören möchte.
Und deshalb werde ich diesen Fragebogen NICHT ausfüllen.
Denn sonst ließe ich es zu, dass die evangelische Kirche mir ein letztes mal ihre abwertende Wortwahl aufdrängt. Und das ist ihr zuvor schon so oft gelungen.
Ab heute nicht mehr.


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