Freitag, 26. Juni 2015

Supreme Court in USA erlaubt #Ehe für alle

Nach Irland haben jetzt auch die USA das Ziel erreicht und die Ehe für Homosexuelle geöffnet.
Der Weg dorthin war steinig und lang. Man denke nur an zahlreiche Versuche durch Volksabstimmungen auf Länderebene diese Öffnung zu verhindern.

Die Begründung des Obersten Gerichtshofs liest sich dagegen wie eine Magna Charta der Anti-Diskriminierungspolitik. Stellenweise wirkt der Begründungstext des Urteils fast poetisch, selten wird man in einem Urteil so oft auf die Worte "Liebe" und "Ehe" treffen wie hier.

Homo Ehe, Ehe für alle


Und hier ein paar Auszüge aus der Urteilsbegründung, an einem historischen Tag wie heute lohnt es sich damit näher zu beschäftigen.

Choices about marriage shape an individual’s destiny. As the Supreme Judicial Court of Massachusetts has explained, because “it fulfils yearnings for security, safe haven, and connection that express our common humanity, civil marriage is an esteemed institution, and the decision whether and whom to marry is among life’s momentous acts of self-definition.”
...
The nature of marriage is that, through its enduring bond, two persons together can find other freedoms, such as expression, intimacy, and spirituality. This is true for all persons, whatever their sexual orientation. 
There is dignity in the bond between two men or two women who seek to marry and in their autonomy to make such profound choices. 

Auch in Bezug auf Kinder spricht das Urteil vom natürlichen Recht aller Kinder in homosexuellen Partnerschaften nicht diskriminiert zu werden:

Excluding same-sex couples from marriage thus conflicts with a central premise of the right to marry. Without the recognition, stability, and predictability marriage offers, their children suffer the stigma of knowing their families are somehow lesser. They also suffer the significant material costs of being raised by unmarried parents, relegated through no fault of their own to a more difficult and uncertain family life.

Das sollten sich alle selbst ernannten Kinderschützer in Ruhe durchlesen, die uns in den Mief der 50er Jahre zurückführen wollen.

Vielleicht könnte man jetzt ein ähnliches Gerichtsverfahren beim Europäischen Gerichtshof beantragen, und das Ziel "Ehe für alle" wäre auch in Europa erreicht.
Wenn es nicht mit einer Volksabstimmung geht wie in Irland, dann eben mit einem höchstrichterlichen Urteil wie in den USA. Dem Supreme Court sei's gedankt.

Mittwoch, 10. Juni 2015

eine ehrliche Diskussion zum Thema Homosexualität fand auf dem Kirchentag nicht statt

Schwule Themen sind wie erwartet nur ein Randthema gewesen auf dem Kirchentag in Stuttgart.
Die zentralen Veranstaltungen in der Stadtmitte wo Kameras und Prominente lauerten, waren frei von kontroversen Fragen und es ist zu vermuten das ganze war kein Zufall sondern Methode.
Daran änderte auch nichts, dass es am Rande (auch geographisch) ein schwul lesbisches Zentrum in Stuttgart gab mit klugem Programm, dessen Ausstrahlung in den Kirchentag hinein jedoch verschwindend gering war.



Auch eine zusätzliche Diskussion in der Fellbacher Halle (10 km außerhalb), die von 450 Teilnehmern besucht wurde, 50 zuwenig um einen offiziellen Beschluss fassen zu können, zeigte klar was an diesem Kirchentag nicht stimmte.  Der einzige Gegner schwuler Gleichberechtigung war eine Katholikin, die natürlich wenig zum Stand der Diskussion in der evangelischen Kirche sagen konnte.

Aber wo sind all die homophoben Pietisten hin, wo haben sie sich versteckt, und zwar so gut, dass man Katholiken auf den Kirchentag einladen muss um Gegner schwuler Gleichberechtigung zu finden?
Schauen wir doch einmal nach Dekan Volker Teich aus Schorndorf, Pietist und EKD Synodale, der in der Vergangenheit Homosexuellen empfohlen hat sich bei einem Psychotherapeuten wegen ihrer Homosexualität therapieren zu lassen
Volker Teich war auch auf dem Kirchentag eingeladen. Er war Diskussionsleiter der Veranstaltung "Zum Mitfeiern einladen. Unterschiedliche Milieus erreichen."



Wieso man einen fundamentalistischen homophoben Kirchenbürokraten  zu diesem Thema mitdiskutieren lässt, ist vielen ein Rätsel geblieben.  Die letzte Veranstaltung zum Thema Homosexualität mit Dekan Teich fand 2012 statt. Bischöfin Jepsen war aus Hamburg angereist und hatte vor ihm die Meinung zu sagen zum Thema Homosexualität aber das wäre zu unangenehm geworden für den homophoben Pietisten Volker Teich.

Ein schöner Artikel dazu hier in der Ludwigsburger Kreiszeitung.

In  solchen Fällen macht ein homophober Pietist wie Dekan Volker Teich folgendes:
er kneift und läßt sich verleugnen.
Genau dasselbe ist auch auf dem Kirchentag geschehen, alle homophoben Christen haben sich versteckt, den Kopf eingezogen, etc. Eine ernst zunehmende Diskussion hat nicht stattgefunden, wie die Welt in einem guten Kommentar feststellte:

"Daran zeigt sich, welche Sprachlosigkeit und Diskursunfähigkeit im evangelischen Raum bei der Auseinandersetzung über die Homo-Ehe herrscht. Das mutet fast katholisch an ... . Doch ist die Streit-Unlust bei der Homo-Ehe auch symptomatisch für den Kirchentag im weiteren Sinne. ...  was sich dann in jenen Auftritten vollzieht, ist letztlich eine Entpolitisierung des Protestantentreffens."

Und diese Entpolitisierung könnte nützlich sein für wen?