Montag, 12. September 2016

Die Arschhummel oder schimpfen und beleidigen lernen mit Martin Luther


Rechtzeitig zum 500 jährigen Jubiläum der Reformation in Deutschland beginnt in den Medien die kritische Berichterstattung über Martin Luthers theologisches Erbe.
Wer einmal Luthers Schrift  "Von den Juden und ihren Lügen"gelesen hat, weiß was für einen Einfluss Martin Luther auf den Judenhass in Deutschland hatte.

Als Homosexueller wüßte man gerne ob es auch für den fundamentalistischen Hass auf Schwule eine Vorbildfunktion bei Martin Luthers gibt?
Durch eine verdienstvolle Sendung des Deutschlandsfunks vom 06.09.2016 ist herausgekommen, dass Martin Luther seine Gegner gerne als "Arschhummel" beschimpfte, ein altdeutsches Wort für "Schwuler".

Sein Opfer: Sebastian Franck (1499-1543) ein katholischer Priester, der im Zug der Reformation zum lutherischen Protestantismus übertrat,  später jedoch Luthers Lehren kritisierte und sie in seinen Schriften mit einer toleranten überkonfessionellen Religionssicht ersetzte, in der der Wert des Einzelnen und seiner inneren Stimme höher war als die Theologie der Institution Kirche.
Dass Franck sich zwei Jahre lang in Esslingen aufhielt, ist nur eine Fussnote seiner Lebensgeschichte. Interessant ist, dass  Esslingen ebenso wie  meine Heimatstadt im pietistischen Bibelgürtel um Stuttgart liegt, was zur Folge hatte, dass in Esslingen für Sebastian Franck kein dauerhaftes Auskommen zu finden war.
Luthers homophobe Attacke war also erfolgreich, auch wenn ziemlich unsinnig, da Franck mit 28 Jahren geheiratet hatte und nichts an dem Gerücht, Franck könnte homosexuell sein, wahr war.

Was aber der so genüsslich von Luther verwendete Ausdruck "Arschhummel" über Luther selbst aussagt, kann man sich denken.
Weder die Hetzschrift "Von den Juden und ihren Lügen" noch die Geschichte von der "Arschhummel" wird in den offiziellen Reformationsfeierlichkeiten der evangelischen Kirche vorkommen.
Woran könnte das nur liegen?
Wie gesagt, Sebastian Franck bemerkte schon vor 500 Jahren, dass wahrer Glaube und die Institution Kirche zwei völlig verschiedene Dinge sind.



Freitag, 20. Mai 2016

Volker Teich, homophober Dekan von Schorndorf, scheidet aus dem Amt

Wie dem Gemeindebrief der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Schorndorf zu entnehmen ist, verlässt Dekan Teich im Herbst 2016 Schorndorf.
Mehrfach negativ aufgefallen wegen seiner pietistisch homophoben Grundhaltung, überschatteten Volker Teichs homophobe Entgleisungen seine 11-jährige Amtszeit in Schorndorf.
Vertuschungen und Beschwichtigungsversuche wie sie nun im Gemeindebrief zu lesen sind, können nur mühsam überdecken welchen Schaden Volker Teich in Schorndorf angerichtet hat.
Dass ausgerechnet Annegret Scherz-Dollmann vom Gesamtkirchengemeinderat diese Lobhudeleien schreibt, stößt bei vielen Betroffenen auf besondere Bestürzung. Schließlich hatten viele homosexuelle Menschen von den Kirchengemeinderäten erwartet, dass diese mutig gegen die homophoben Einlassungen von Dekan Teich protestieren würden.
Dem war nicht so. Zurecht fühlen sich homosexuelle Menschen heute noch von den Äußerungen Teichs beledigt und in ihrer Würde verletzt.  
Die peinliche Art wie Herr Teich nun mit den üblichen Plattitüden und Lobhudeleien verabschiedet wird, macht die Enttäuschung über die evangelische Kirche noch größer.


Sonntag, 7. Februar 2016

der Brief des Pfarrers nach dem Kirchenaustritt

Am Freitag wurden die Kirchenaustritte der evangelischen Kirche im Jahr 2014 bekannt:
270 000 - soviele Menschen sind noch nie ausgetreten. Am selben Tag landete auch der Brief vom Pfarrer, den man üblicherweise nach einem Kirchenaustritt bekommt, in meinem Briefkasten. 

Nun schreibe ich schon seit vielen Jahren diesen Blog und an der Reaktion evangelischer  Christen merke ich, dass er durchaus auch von Evangelen gelesen wird.
Nun hält es die Pfarrerin von Schorndorf-Weiler für nötig mir einen Fragebogen ins Haus zu schicken auf dem ich ankreuzen soll warum ich aus der Kirche ausgetreten bin. Dass ich nach Jahrzehnten von Diskriminierung und Schwulenhetze in der Kirchengemeinde Weiler Rems nicht mehr Mitglied sein möchte, hat sich bis ins Pfarramt noch nicht herumgesprochen.

Dieser Fragebogen lohnt eine genauere Analyse. Er besteht aus vielen frei ankreuzbaren Aussagen, leicht auszuwerten für jeden Kirchen Statistiker. Hier ein Auszug:

( ) Unstimmigkeit mit der Kirchenleitung
( ) Unstimmigkeit mit dem Gemeindepfarrer
( ) Unstimmigkeit mit der Art von Gottesdienst, Predigt oder Veranstaltungen
( ) Unstimmigkeit mit ...
( ) Schlechte Betreuung durch die Gemeinde
( ) Verärgerung aus aktuellem Anlass, und zwar ...
( ) Ich kenne den Gemeindebrief der Kirchengemeinde Weiler
u.s.w.

Unstimmigkeit ist ein Wort, das man auf eine Komposition oder ein Bild anwendet, sicherlich nicht auf einen Menschen und seine Beziehung zu einer religiösen Vereinigung. Ich möchte auch nicht "betreut" werden, ich bin weder alt noch gebrechlich oder vergesslich. Und verärgert bin ich auch nicht. Ich bin nur der Meinung, dass ich einer homophoben, pietistisch dominierten Kirche nicht angehören möchte.
Und deshalb werde ich diesen Fragebogen NICHT ausfüllen.
Denn sonst ließe ich es zu, dass die evangelische Kirche mir ein letztes mal ihre abwertende Wortwahl aufdrängt. Und das ist ihr zuvor schon so oft gelungen.
Ab heute nicht mehr.