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Jeden Tag eine schlechte Tat - Homophobie als Bestandteil konfessioneller Jugendarbeit.

Die Kritik an konfessionellen Pfadfindern ist bekannt: hierarchisch aufgebaut, autoritäre Verfassung, Zwang zu Uniform/ Pfadfindertracht, antimodernistische Naturverherrlichung, Geschlechtertrennung und ein fundamentalistisch / frömmlerisches Weltbild.
So sieht die Jugendarbeit bei konfessionell gebundenen Pfadfindern aus und da es in einer pietistisch geprägten Kirchengemeinde wie der meinen keine freie Jugendarbeit gab, trat ich mit 12 Jahren als Mitglied in die Christlichen Pfadfinderschaft Weiler ein.
Irgendwann im Alter von fünfzehn oder sechzehn ging dann das Gerücht um ich könnte homosexuell sein und von dem Zeitpunkt an war es mit dem beschaulichen Aufwachsen in der schwäbischen Provinz vorbei.

Später als ich selbst eine Pfadfindergruppe leitete, waren dann offene Anfeindungen und Mobbing an der Tagesordnung - ein schwuler Gruppenleiter stellt natürlich im Weltbild pietistisch evangelikaler Hardliner ein höchst gefährliches Individuum dar.

Auch die verpflichtende Teilnahme an einer großen Zahl von Missionsabenden bei ProChrist gehört zu meinen traumatisierenden Erinnerungen an meine Zeit bei den Pfadfindern. Dort sprach dann ein älterer Herr über die Pflicht junger Menschen zu heiraten. Außerdem sagte Herr Parzany, Gründer von ProChrist noch einiges andere, beispielsweise:

1) Westeuropa und Nordamerika sind die einzigen Teile der Welt, wo die Geisteskrankheit des Atheismus herrscht
2) gelebte Homosexualität ist eine Sünde und eine schöpfungswidrige Anomalie.
3) die Streichung der Homosexualität als psychischer Störung aus der Diagnoseliste der Amerikanischen Psychiater-Vereinigung [APA] 1973 ist nicht wissenschaftlich sondern politisch verursacht (01.03.2007 Stellungnahme zur Äußerung über praktizierte Homosexualität in der Predigt vom 18.02.2007 in der Kaiser-Wilhelm Gedächtnis-Kirche, Berlin)


All dies sind typisch homophobe Äußerungen wie man sie heute noch zahlreich in der evangelischen Kirche Württemberg hört.
Wie sehr diese Jugendarbeit ihre Mitglieder „formt“ beziehungsweise „verformt“, sieht man daran, dass die Leute, die vor 25 Jahren bei den Pfadfindern gegen Schwule hetzten, heute noch immer zu den Schwulenhetzern gehören so als hätte sich in den letzten 25 Jahren nichts verändert. 
Vielleicht ist dies ja das Ziel der Sozialisierung in einer konfessionell gebundenen Jugendarbeit wie CVJM / Pfadfinder: die Jugendlichen werden immunisiert gegen Fortschritt und Toleranz, Der Kampf gegen die Moderne wird weitergeführt. 

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